Top of Africa Tour ´02

Moni und Andy in Tanzania vom 14.09. – 06.10.2002

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Intro

Die Kombination, den höchsten Berg Afrikas zu besteigen, die Arche Noah Afrikas zu besuchen und an paradiesisch weißen Sandstränden zu relaxen, machte Tanzania zu unserer ersten Wahl für den diesjährigen Trip. Wo sonst kann man all dies in drei Wochen erleben?

Die Farbenpracht und Schönheit der Natur wie z.B. der unwirklich wirkende Ngorongoro Krater, sowie der Geruch von Gewürzen auf Zanzibar, Tauchen an den besten Revieren entlang der afrikanischen Küste und auch die engen Gassen von Stonetown machen dieses Land so faszinierend.

Ein weiterer Grund ist der noch nicht vorhandene Massentourismus. Es gibt keine Charterflüge ebenso wenig wie riesige Hotelanlagen, was sich mit höchster Wahrscheinlichkeit jedoch in naher Zukunft mit Sicherheit ändern wird.

Natürlich stellte die Besteigung des 5895 m hohen Kilimanjaro den Mittelpunkt unserer Reise dar, und benötigte eine besonders ausgiebige Vorbereitung. Angefangen von Preisvergleichen per E-Mail bei den unterschiedlichsten Agenturen vor Ort, über verschiedenste Impfungen und das Organisieren der Ausrüstung, galt es ebenso die körperliche Fitness zu steigern. An dieser Stelle möchten wir uns noch mal bei allen bedanken, die uns mit Leihgaben verschiedenster Ausrüstungsgegenstände unterstützt haben.

Das einzig negative war der Kostenpunkt. Die immens hohen  Nationalparkgebühren trieben die Reisekasse ganz schön in die Höhe. Doch letztendlich war die Reise jeden Euro wert, und wir würden alles genauso wieder tun.

Jambo

Moni + Andy

 

 

13. + 14.09.2002

Unser Unternehmen „Top of Africa ´02“ begann am Freitagabend des 13.09.02 mit dem Swiss Flug Stuttgart-Zürich-Nairobi. Schon beim Betreten des Flughafens in Stuttgart nahm das Abenteuer seinen Lauf, als Moni bemerkte, dass Ihr Reisepass seit Februar abgelaufen war. Nach kurzem Ärger über Ihr kleines Missgeschick wurde uns ziemlich schnell klar, dass wir uns durch diesen Faux Pas ganz bestimmt nicht von unserem erklärten Ziel abbringen lassen wollen. Die netten Grenzbeamten am Flughafen setzten uns darüber in Kenntnis, dass wir mit einem temporären Ausweis zwar ohne Problem nach Kenia einreisen dürften, mit Tanzania aber kein Abkommen bestehe, welches die Einreise in diesem Fall regelt. Kurze Anmerkung     „Bakschisch macht’s im Zweifelsfall möglich“. Nachdem dann auch noch die Formalitäten (Haftung im Problemfall) mit der Fluggesellschaft geklärt waren, lies uns die Dame am Swiss Schalter endlich einchecken. Nach diesem überstandenen Schreck mussten wir uns erst einmal zur Beruhigung ein Bierchen genehmigen.

Und dann ging unser lang ersehnter Trip endlich los:

Nach ca. 8,5 Std. Flug standen wir dann so kurz vor 7.00 Uhr mit etwas weichen Knien an der Passkontrolle im Flughafen Nairobi. Der noch etwas verschlafene Beamte interessierte sich nicht im Geringsten für irgendwelche Daten im Ausweis sondern primär für die 20 USD Visumgebühren. Die erste Hürde war hiermit geschafft! Nachdem wir ungefähr fünf „neuen Freunden“  am Flughafen erklärt haben, dass wir bereits einen Shuttlebus gebucht und bezahlt haben und wir sicher nicht mit Ihnen nach Arusha fahren, fand Moni nach ca. einer halben Stunde doch noch unseren Mann vom Riverside Shuttle Services, der sein Erkennungszeichen mit Aufschrift  „Andy 02“ etwas verdeckt gehalten hatte. Kurz vor 9.00 Uhr ging es dann endlich, in einem, bis auf den letzten Platz mit Touristen ausgefüllten Minibus, los in Richtung Arusha. An der Grenze nach Tanzania lief alles sehr chaotisch ab. Keiner wusste so richtig was zu tun ist und beim Verlassen des Busses grabschten zig einheimische Massai Hände nach uns und versuchten ihre kitschigen Armreifen und Kettchen an den Mann zu bringen. Beim ersten Grenzhäuschen, noch auf der Kenia Seite, ging alles problemlos und verhältnismäßig schnell, zwei Ausreisestempel und gut. Nach ca. 300m Fahrt kamen wir dann zur Tanzania Grenze. Als der Beamte für über zehn Minuten mit unseren Ausweisen in seinem Hinterzimmer verschwand, malten wir uns schon die wildesten Szenarien aus. Doch auch hier ging letztendlich alles glatt und wir bekamen unsere Pässe mit dem benötigten Stempel zurück. Erleichtert fuhren wir weiter Richtung Arusha, durch ein Land, in dem USD noch wichtiger sind als Bürokratie.

Nach ca. 5,5 Std. Fahrt, am Busbahnhof von Arusha angekommen, erwarteten uns bereits Erasmus und Baltasar (unser Guide für die 6 Tage der Kili Tour) um uns zum Arusha Resort zu bringen. Nach dem Einchecken vereinbarten wir das Briefing  auf 18.00 Uhr, was uns genügend Zeit zum Duschen und Essen gab. Das Briefing verlief kurz und schmerzlos. Wir gingen noch einmal kurz unsere Ausrüstungsliste durch und bekamen die Abfahrtszeit und das Programm. Auch mussten wir den kompletten Betrag für Kili, Safari, Transp. und Übernachtungen im Voraus bezahlen.

 

 

PROGRAM: 

6 DAYS MOUNTAIN KILIMANJARO CLIMB VIA MACHAME ROUTE AND DESCENDING DOWN VIA KIDIA ROUTE.
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Day.1
15.9.02 -   After breakfast in your hotel at Arusha Resort Centre and at
                  around 07.30 am you will drive to Machame Gate. On arrival
                  finalise the climb formalities including registrations and with
                  your professional mountain guide, porters and cook start the trek
                  up to Machame Hut for meals and overnight stay.
 

Day.2
16.9.02     After breakfast at Machame Hut continue with the climb up to
                  Shira Hut for lunch. Afternoon and if the weather permits the
                  guide will take you for the tour of Shira plateau which commands
                  the most beautiful scenery. Dinner and overnight at Shira Hut.

Day.3
17.9.02     After breakfast at Shira continue with the trek up to Barranco
                  Hut for meals and overnight stay.

Day.4
18.9.02     Early breakfast at Barranco Hut and thereafter start the hardest
                  trekking day crossing the Great Barranco walls. This is one of
                  the most demanding section of the climb. At time you may need
                  to use your hands to support yourself scrambling on the bare
                  lava rocks and it will take about 45 minutes up to Karanga Valley
                  for lunch and thereafter continue trekking up to Barafu Hut for
                  dinner and overnight stay.

Day.5
19.9.02     Early departure for the summit. At around 01.30 am with your
                  professional mountain guide you will start the final climb to
                  the summit. You will be expected to arrive at Uhuru Peak at
                  around 06.30 and 07.30 am and you will spend about 40 minutes
                  taking pictures and thereafter descend down to Barafu Hut for
                  breakfast/Brunch. Thereafter continue descending down to Rau-
                  Hut for meals and overnight stay.

Day.6
20.9.02     After breakfast at Rau campsite descend down to Kidia-
                  Gate where you will be awarded with victory certificates
                  for reaching the summit the highest point in Africa UHURU PEAK.
                  Thereafter your driver will drive you back to Arusha for your
                  next destination.

 

15.09.2002 

Nach einem lausigen Frühstück im Arusha Resort wurden wir pünktlich um 7.30 Uhr abgeholt. Unser restliches Gepäck deponierten wir noch im Storage Room des Hotels und los ging’s Richtung Machame Gate auf ca. 1700m. Am Gate war der Teufel los. Hunderte von Touristen, und auf jeden Tourist kommen noch mindestens 2-3  Einheimische. Da fiel mir ein Satz von Erasmus in einer seiner E-Mails ein: „Machame Route is the most scenic of all the  routes on Mount Kilimanjaro and also  it is not crowded.“ So hofften wir, dass wenigstens der erste Teil dieser Aussage stimmt. Um 10.45 Uhr hatte Baltasar dann das Team zusammen, alle Formalitäten erledigt und so konnte das Abenteuer am Kilimanjaro beginnen. 

Den gesamten ersten Tag liefen wir stetig bergauf durch wunderschönen und extrem dichten Regenwald. Der Pfad war zeitweise recht schlammig, doch hatten wir außer Hunger keine Probleme. Auf einer kleinen Lichtung machten wir nach ca. 2,5 Std. eine Pause und bekamen von Baltasar eine Lunch Box mit zwei trockenen Muffins und einer Orange. „Prima!“, und das mit unserem Hunger und dem Mini-Frühstück in Arusha. „Wenn das mal hoffentlich nicht so weitergeht.“ Doch entgegen dieser anfänglichen  Befürchtungen, wurden wir im weiteren Verlauf der Tour mit reichlichem und gutem Essen verpflegt, doch dazu später mehr. Immer wieder wurden wir von größeren Gruppen gebremst, die im Schneckentempo aufstiegen, wo das Überholen auf den engen Waldpfaden nahezu unmöglich war. Nicht, dass wir es eilig hatten. So gegen 16.00 Uhr erreichten wir das Machame Camp, knapp über der Regenwaldgrenze auf 2990 m. Das Zelt stand bereits als wir ankamen, der Nieselregen hörte auf, doch leider war der Kili noch immer von Wolken bedeckt. Kurz nach unserer Ankunft brachte Baltasar uns frisches Popcorn, Kekse, Tee, Kaffee und heiße Schokolade sowie warmes Wasser um die Hände zu waschen. Was für ein Luxus. Um 18.00 Uhr war dann auch schon das Dinner fertig. Es gab Pilzsuppe, Reis, Nudeln, verschiedene Gemüse und Obst alles reichlich und sehr lecker. Kurz nach einsetzten der Dunkelheit verzogen sich die Wolken und unser Ziel erhob sich im Mondlicht majestätisch vor unseren Augen. Glücklich und müde verzogen wir uns schon früh in unser Zelt.

   
 

16.09.02 

Da wir vor den größeren Gruppen los wollten, weckte uns Baltasar wie vereinbart um 6.30 Uhr. Zum Frühstück bekamen wir Porrage, Toast, Marmelade und Früchte. In freier Natur und mit Blick auf den Kili, einfach unvergesslich. Um 7.45 Uhr starteten wir, noch vor den meisten anderen im Lager. Der erste Teil, bis auf ca. 3700 m des Weges verlief ordentlich steil bergauf. Leider zog das Wetter kurz nach dem Start wieder zu und es nieselte immer wieder ein wenig. Die Vegetation wechselte des Öfteren, die Bäume und Sträucher wurden mit zunehmender Höhe niedriger und das Nieselwetter lies die Landschaft gespenstisch schön aussehen. Oben angekommen, wurde der Weg flacher und das Gelände offener. Die Lunchbox fiel heute mit Toast, Würstchen, Ei und Obst wesentlich üppiger aus. So liefen wir gut gestärkt, auf einem einfachen aber landschaftlich reizvollen Weg weiter, dem 2. Camp entgegen. Schon kurz vor 12.00 Uhr erreichten wir, im Nieselregen das in den Wolken liegende Shira Camp auf ca. 3800m. An diesem Mittag zeigte sich der Kili und die Shira Range nur für wenige Augenblicke, doch dieser Anblick war wieder atemberaubend und der Gipfel schien schon zum Greifen nah. Gegen Nachmittag wurde der Regen wieder etwas stärker und wir verzogen uns in unser Zelt. So gegen 15.30 Uhr gingen wir mit Baltasar den Weg in Richtung Lava Tower bergauf, um uns noch besser zu akklimatisieren. Wegen des anhaltenden Regens drehten wir jedoch nach einer halben Stunde wieder um und verkrochen uns ins Zelt. Um 18.00 Uhr hörte der Regen auf, und kurz nach einem 3-gängigen vorzüglichen Abendessen, verzogen sich die Wolken zum Sonnenuntergang und gaben den grandiosen Blick über Shira Range und den Mt.Meru frei. Den Kili bekamen wir leider erst wieder nach Einsetzen der Dunkelheit zu Gesicht. Mit einem Lächeln im Gesicht gingen wir wieder früh schlafen.

   

17.09.02 

Das prasseln von Regentropfen gegen unser Zelt, weckte uns schon sehr früh an diesem Morgen.  Noch im Halbschlaf bemerkten wir, dass es etwas feucht in unserem Zelt war, doch dösten wir noch eine ganze Weile weiter. Erst als wir gegen 7.00 Uhr richtig wach wurden, stellten wir das ganze Ausmaß des Übels fest. Wir hatten regelrechte Seen in unserem Zelt. Alles was wir nicht in den wasserdichten Säcken verstaut hatten war nass. Ziemlich schlecht gelaunt packten wir zusammen und frühstückten im Zelt unserer Träger.  Da die Temperaturen im Shira Camp noch erträglich waren, liefen wir in unseren normalen Trekking Hosen und ohne Handschuhe los, was sich im späteren Verlauf als schwerer Fehler erwies. Die ersten paar Stunden stieg der Weg leicht aber stetig bis auf ca. 4300 m an. Schon kurz nach dem Start waren unsere Hosen völlig durchnässt, und die Temperaturen fielen  mit jedem Höhenmeter. Ab ca. 4000 m ging der Regen in einen eisigen Graupelschauer über.  Die Vegetation nahm ab, der Weg wurde sandig (Lavasand) und führte zwischen großen Lavasteinen hindurch, die jedoch kaum Windschutz boten. Die Bedingungen verschlechterten sich so sehr das jeder Schritt zur Qual wurde und wir unsere Füße und Hände kaum noch spürten. Auch der Anblick der spärlich gekleideten Träger, die zum Teil zitternd am Wegesrand Pause machten war erschreckend. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass an diesem Tag auf derselben Strecke zwei Träger an den Folgen von Unterkühlung und Erschöpfung gestorben sind, sowie ein weiterer auf der Marangu Route. Unsere Motivation war nahezu auf den Nullpunkt gesunken, zudem uns auch noch ein nasses und dreckiges Zelt am Barranco Camp erwartete. Auf dem letzten Teil der Strecke verwandelte sich der Schnee  wieder in Regen und damit wurde die Temperatur wieder etwas erträglicher, doch waren wir bis auf die Unterhosen durchnässt. Nach über sechs Stunden kamen wir endlich im Barranco Camp auf 3950 m an. Die Träger, mit unseren Säcken und dem Zelt waren leider noch nicht da und das offen liegende Camp bot kaum Windschutz. Zitternd vor Kälte suchten wir Schutz vor Wind und Regen hinter dem Klohäuschen. Monis Sack kam dann zum Glück als erstes. Schnell zog Sie sich die noch trockene Thermo-Unterwäsche und Skihose an. Als dann auch endlich das Zelt stand, legten wir uns auch gleich zum Aufwärmen hinein. Es war zwar eklig dreckig und feucht, doch in unseren Schlafsäcken wurde uns schnell wärmer. Das Abendessen nahmen wir wieder einmal in unserem Zelt zu uns und verließen es nur für Toilettenbesuche. Es wollte einfach nicht aufhören zu regnen, doch zum Glück war das Zelt heute etwas besser gespannt und es bildeten sich keine größeren Seen. Noch lange diskutierten wir über den weiteren Verlauf der Tour. Am Ende beschlossen wir, bei weiter anhaltendem Regen abzubrechen, da unsere Gesundheit dem Gipfelerfolg vorgeht. Gespannt und in Hoffnung auf besseres Wetter schliefen wir ein.

   
 

18.09.02 + 19.09.02 

Ebenfalls wieder sehr früh wachten wir auf und lauschten gespannt den Geräuschen außerhalb unseres Zeltes... und wir konnten unser Glück kaum fassen: Es hatte aufgehört zu regnen und die Sonne zeigte sich. Im Zelt war es empfindlich kalt und der Eingang lies sich nur sehr schwer öffnen. Den Grund dafür sahen wir sogleich. Unser Zelt war mit einer Frostschicht überzogen. Das Camp lag zwar noch im Schatten, aber der Himmel war strahlend blau, und weit und breit keine Wolken zu sehen. Was für eine Freude!   Die Temperatur war wohl noch unter dem Gefrierpunkt, doch das trübte unsere Freude nicht im Geringsten. Raus aus den Federn und schnell zusammengepackt starteten wir nach dem Frühstück um 8.00 Uhr. Laut unserem Programm erwartete uns heute der härteste Tag. Wir sollten  den Kibo-Gipfel auf seiner Südseite umgehen (Southern Circuit). Doch zuerst mussten wir die ca. 400 m hohe, fast senkrechte Breach Wall überqueren. Dies ist der steilste und schwierigste Abschnitt der Tour. Vor allem für die Träger eine Qual. Doch für uns, mit den kleinen Daypacks auf dem Rücken war es kein Problem und nach der Hälfte dieser Wand kam dann noch die Sonne über den Berg und wir waren guten Mutes. Oben angekommen hatten wir eine atemberaubende Aussicht auf die Kibo-Südseite und den Helm-, Kersten-, und Decken Gletscher. Hier machten wir über eine Stunde Rast, damit wir keinen allzu großen Vorsprung auf unsere Träger hatten, die noch das Zelt putzten und es anschließend es in der Sonne trockneten. Weiter ging es leicht bergab bis auf 3900 m ins Karanga Valley, wo sich die letzte Wasser- stelle vor dem Gipfel befindet. Mit vollen Wasserflaschen mussten wir, wieder einmal  in den Wolken, einen recht steilen Höhenrücken empor steigen. Danach wurde es wieder etwas flacher und der Weg führte durch eine bizarr anmutende Steinwüste. Die Wolken lösten sich auf, doch der Weg wollte einfach nicht enden und der Schlussanstieg zum Camp hatte es auch noch mal so richtig in sich. Nach über sechs Stunden hatten wir es dann geschafft, gegen 14.30 Uhr waren wir am Barafu Camp, dem Kilimanjaro Basecamp auf 4540 m. Unbeschreibliche Rundblicke belohnten sogleich unsere Strapazen. Über uns der Kibo-Gipel mit Rebmann Gletscher, den Mawenzi und Meru zu beiden Seiten und ein Meer aus Wolken – wie im Himmel. Zuerst relaxten wir noch etwas in der Sonne und trockneten die noch immer nassen Sachen, bis es zu kühl wurde und wir uns ins Zelt zurückzogen. Baltasar teilte uns noch den weiteren Verlauf des Tages mit. Um 23.00 wollte er uns wecken, damit wir vor dem Abmarsch noch eine Kleinigkeit essen können. Das Abendessen nahmen wir, in unseren Schlafsäcken eingemummt, in unserem Zelt zu uns. Nur zum wunderschönen Sonnenuntergang krochen wir noch mal an die eiskalte Luft.  

Als Baltasar um elf das Zelt öffnete waren wir bereits schon wach. Er brachte uns noch ein paar Scheiben Toast, Kekse und Tee. Nachdem wir uns auf engstem Raum in unsere, extra für den Gipfeltag mitgenommenen, Skiklamotten gezwungen hatten, brachen wir, mit Baltasar und Edward dem Assistent Guide, pünktlich um 23.30 Uhr auf. Der Mond (fast voll) war so hell, dass wir unsere Stirnlampen zum Glück fast nicht nötig. (Monis fiel bereits nach 1-2 Std. aus). Am Anfang legte Baltasar ein recht ordentliches Tempo vor. Wir überholten einige Gruppen, die vor uns gestartet waren, bis Moni Kreislaufprobleme bekam. Nach kurzer Diskussion beschlossen wir eine Pause einzulegen und danach langsamer weiterzugehen. Die Temperatur fiel deutlich unter Null, und unsere Hände und Füße wurden immer kälter. Ab ungefähr 5000 m machte sich die dünne Luft sehr deutlich bemerkbar. Immer häufiger mussten wir uns ausruhen und ein seltsames Gefühl aus Schwindel, Kopfweh und Übelkeit und Schmerz kam immer stärker auf. Außerdem machte sich ein Gefühl von Gleichgültigkeit breit, doch irgendwie setzten wir immer weiter einen Fuß vor den anderen. Unser Tempo wurde immer langsamer und immer mehr Gruppen überholten uns. Oft glaubten wir den Kraterrand zu erkennen, da erhob sich aus der Dunkelheit ein neuer Schatten und es ging immer weiter und weiter bergauf. Die letzten 1 – 2 Std. war der Weg mit einer Schneeschicht bedeckt und wurde noch mal steiler. Die letzten hundert Meter über ein steiles Geröllfeld kostete uns die letzte Kraft. Doch irgendwie standen wir um 6.30 Uhr, pünktlich zum Sonnenaufgang, völlig erledigt auf dem Stella Point in 5745 m. Wir konnten für eine kurze Zeit das gesamte Farbenspiel mit Blick über den Mawenzi genießen. Offiziell hatten wir hiermit den Gipfel bestiegen. Um ehrlich zu sein, dachten wir beide daran es auch dabei zu belassen, und wollten so schnell wie möglich wieder runter und einfach nur schlafen. Doch Baltasar überredete uns weiterzugehen und der ca. 40 Minuten lange Aufstieg zum Uhuru Peak sah nicht sehr steil aus. Also rafften wir uns wieder auf und liefen in unserem Schneckentempo am Kraterrand entlang in Richtung Gipfel. Unglaubliche Ausblicke begleiteten uns auf unserem Weg. Rechts der Blick über den gesamten Kraterboden, den Reusch Krater und Uhuru Peak, Auf der Linken Seite stieg eine gewaltige Eiswand den Hang herauf und begleitet den Kraterrand bis zum Uhuru Peak, das südliche Eisfeld (Southern Icefilds), die Wände des Rebmann, Decken und Kersten Gletscher. Doch selbst die letzten sanften Hügel wurden zur Qual. Und die Übelkeit und Kopfschmerzen nahmen zu. Doch dann war es soweit, wir hatten es geschafft, um kurz nach 7.00 Uhr standen wir auf dem Uhuru Peak, dem höchsten Punkt des afrikanischen Kontinents, 5895 m über dem Meeresspiegel. Mit Freudentränen in den Augen genossen wir für wenige Augenblicke die Aussicht. Noch kurz das obligatorische Gipfelbild und schon machten wir uns wieder auf den Rückweg. Bergab ging es gleich sehr viel leichter, doch die Übelkeit und die Kopfschmerzen blieben. Der Abstieg verlief weiter östlich der Aufstiegsroute über große, steile Geröllfelder. Auch beim Abstieg mussten wir des Öfteren Pausen einlegen, da uns die Kopfschmerzen bremsten. Um 10.30 Uhr waren wir dann ziemlich erschöpft wieder im Barafu Camp. Allzu große Freude kam in diesem Moment nicht auf, den Baltasar teilte uns mit, dass wir spätestens um 12.00 Uhr weiter müssen, ca. 4,5 Std. zum Rau Camp auf 3500m. Doch kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen schliefen wir auch schon, wenn auch nur für kurze Zeit. 

Eine Stunde später riss uns Baltasar aus dem Tiefschlaf. Nach einem kleinen verspäteten Frühstück bestehend aus Tee und Toast und Aspirin liefen kurz nach 13.00 Uhr immer noch ziemlich müde und mit schweren Beinen los. Zuerst mussten wir das South East Valley durch- und dann den Kibo Saddle überqueren. Der Kili tronte die ganze Zeit majestätisch hinter uns. Der Weg war einfach, doch die letzte Nacht steckte uns noch arg in den Knochen, und der Weg zog sich unheimlich in die Länge. Gegen 18.00 Uhr waren wir dann endlich da. Meine Kopfschmerzen waren schon deutlich besser, doch Moni ging es nicht gut. Symptome von Appetitlosigkeit, Durchfall, Fieber und Schüttelfrost waren wohl Anzeichen dafür, dass die über        16 Std.  Fußmarsch einfach zu viel waren. Zudem wir in den letzten 35 Std. nur ca. 2 Std. geschlafen hatten. Nach dem Abendessen und ein paar Hyrdoplus Energie Drinks fielen wir dann in einen unruhigen Schlaf.

 
 

20.09.02 

Moni war es an diesem Morgen immer noch nicht besser und nach mehreren Toilettenbesuchen in der Nacht war sie ziemlich geschwächt. Erst nachdem zwei Aspirin wirkten, konnten wir ans weitergehen denken. Allerdings fehlte noch das obligatorische Gruppenfoto vor dem Kilimanjaro, nachdem wir die letzte Etappe in Angriff nehmen konnten. Da die normale Abstiegsroute zum Mweka Gate zum regenerieren gesperrt war, mussten wir zum Kidia Gate, welches laut Baltasar den Weg um 2-3 Std. verlängert. Bis zur Regenwaldgrenze brauchten wir etwa eine Stunde, doch schon auf diesem noch einfachen Weg, zeichnete sich ab, dass es für Moni eine Tortur werden würde. Sobald die Wirkung des Aspirins nachließ war es Ihr nahezu unmöglich weiter zu gehen, sie wurde ständig von Magenkrämpfen, Gliederschmerzen und Übelkeit geplagt. Immer wieder musste Sie die große Naturtoilette aufsuchen. Doch der harte Teil begann erst mit Erreichen des Regenwaldes. Wir mussten uns durch unvorstellbare Matschmengen quälen. Zusätzlich erschwerten noch natürliche Schikanen, wie glitschige Riesenwurzeln und umgefallene Bäume unser vorankommen. Es gab nahezu keine Rastmöglichkeiten und wir kamen nur sehr langsam voran. Am Anfang versuchten wir den Schlammlöchern aus dem Weg zu gehen, doch da dies meistens unmöglich war gingen wir einfach nur noch mittendurch. So sahen wir nach kurzer Zeit wie zwei Ferkel aus, die sich im Dreck suhlten und waren nicht nur bis an den Rand der Stulpen voll mit Matsch. Nach fünf Stunden Kampf, kam das erste Mal eine Lichtung mit schlammfreien Boden wo wir erst einmal eine Lunchpause machten. Von dort konnte man auch das erste Mal bis ins Tal sehen, welches in greifbarer Nähe schien.         Baltasar holte uns jedoch sofort auf den Boden der Tatsachen zurück, und meinte wir müssten mindestens mit zwei weitern Stunden rechnen. Mit hängenden Köpfen, stürzten wir uns wieder in den Matsch. Eine weitere Stunde später wurde der Untergrund etwas trockener und der Weg breiter. Eine Bananenplantage war das erste Anzeichen von Zivilisation, aber das Ziel war immer noch nicht in Sicht. Der Weg zog sich unendlich, doch nach 8,5 Std. war es endlich soweit. Völlig erschöpf kamen wir am Kidia Gate an. Am Gate herrschte ein buntes Treiben. Kinder kamen auf uns zu und wollten für ein paar Schilling unsere Schuhe putzen. Als diese wieder halbwegs sauber waren, trugen wir uns noch ins Register, Comments und Gipfelbuch ein und erhielten die goldene Sieger Urkunde für das Erreichen des Uhuru Peak. Der Jeep wartete schon auf uns und keine halbe Stunde nach der Ankunft im Gate fuhren wir mit dem ganzen Team zurück nach Moshi. Dort stiegen die Träger aus und erhielten von uns das obligatorische Trinkgeld. Auf der Weiterfahrt nach Arusha waren wir mit unseren Gedanken immer noch auf dem Berg, doch irgendwann fielen die müden, glücklichen Augen zu.

 

To be continued...

 

Anmerkung: 

Moni lag den darauf folgenden Tag noch mit Fieber im Bett, doch zu Beginn unserer Safari war Sie wieder fit. Doch dazu später mehr.